
Tempolimit in der Schweiz: 120 km/h und keine Toleranz
Sie rollen aus Österreich mit 130 über die Grenze, doch die Schweiz deckelt die Autobahn bei 120 – und die Toleranz ist minimal. Hier sind die Schweizer Tempolimits, die einkommensabhängigen Bußen und der strafrechtliche Raser-Tatbestand.
Ramis Kalkan
Das Tempolimit in der Schweiz liegt bei 120 km/h auf der Autobahn, 100 km/h auf der Autostrasse, 80 km/h außerorts und 50 km/h innerorts. In Tempo-30-Zonen und überall dort, wo ein Schild es vorgibt, gilt weniger.
Die 120 auf der Autobahn ist die Falle. Österreich, Italien und Frankreich fahren 130, die deutsche Autobahn stellenweise gar kein Limit. Sie queren die Grenze auf derselben Straße – und die Obergrenze fällt auf 120, Ihr rechter Fuß aber oft nicht. Die Schweiz kontrolliert hart. Die Messtoleranz beträgt nur wenige km/h, schwere Verstöße lösen einkommensabhängige Bußen aus, und der Raser-Tatbestand ist Strafrecht.
Dieser Ratgeber nennt jedes Schweizer Tempolimit nach Straßentyp, erklärt die Bußen und den Raser-Tatbestand und zeigt, welche Vignette dieselben Autobahnen verlangen. Jede Zahl stammt aus einer offiziellen Schweizer Quelle und wurde zuletzt im Juli 2026 geprüft.
Kurz & Knapp
- Autobahn 120, nicht 130 wie bei mehreren Nachbarn; Autostrasse 100, außerorts 80, innerorts 50 km/h.
- Mit Anhänger oder Wohnwagen gilt 80 km/h – auch auf der Autobahn.
- Die Messtoleranz ist gesetzlich und minimal: je nach Messgerät wenige km/h, kein bequemer Puffer.
- Kleine Überschreitungen kosten eine feste Ordnungsbusse; schwere Fälle laufen über einkommensabhängige Bußen.
- 80 km/h über dem Autobahnlimit (ab 200 km/h) ist der Raser-Tatbestand: Freiheitsstrafe, ≥2 Jahre Ausweisentzug, Fahrzeug-Einziehung.
Die Schweizer Tempolimits nach Straßentyp
Die Schweiz kennt vier Standardlimits, dazu niedrigere Werte in besonderen Zonen. Der lokale Begriff wechselt mit der Sprachregion – deutsch, französisch, italienisch –, die Zahlen sind landesweit gleich.
| Straßentyp | Tempolimit | Lokaler Begriff |
|---|---|---|
| Autobahn | 120 km/h | Autobahn |
| Schnellstraße | 100 km/h | Autostrasse |
| Außerorts | 80 km/h | Ausserorts |
| Innerorts | 50 km/h | Innerorts |
| Wohn- und Schulzone | 30 km/h (20 in der Begegnungszone) | Tempo-30-Zone |
Ein paar Details überraschen ausländische Fahrer. Das 50er-Limit beginnt am Ortsschild, nicht am ersten Haus, und es kann plötzlich auftauchen, wo eine Hauptstraße in ein Dorf führt. Ziehen Sie einen Anhänger oder Wohnwagen, fallen Sie auf 80 km/h – auch auf der Autobahn. Ein niedrigeres Schild hat immer Vorrang vor der Tabelle.
Diese Limits stehen im Bundesrecht und sind seit Jahren stabil. Die 120 auf der Autobahn ist also keine kürzliche Änderung, sondern der Normalzustand.
Warum die Autobahn 120 zeigt, nicht 130
Der häufigste Fehler ausländischer Fahrer ist die 130er-Gewohnheit über der Grenze. Frankreich, Italien und Österreich deckeln die Autobahn bei 130, auf dem freien deutschen Netz gilt oft gar kein Limit. Die Schweiz liegt mittendrin – und hält an einem festen 120 fest.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, doch 10 km/h reichen aus, um aus einer sauberen Fahrt ein Bußgeld zu machen. Besonders auf einer langen, ruhigen Autobahn driftet der Tempomat leicht nach oben. Wer vom Tempolimit in Österreich mit seinen 130 kommt oder aus Italien und Frankreich einreist, stellt den Tempomat an der Grenze am besten sofort zurück. In unserer Übersicht aller Tempolimits in Europa sehen Sie, wie stark die Nachbarn abweichen.
So funktioniert die Messtoleranz
Die Schweizer Polizei ahndet nicht die rohe Zahl, die ein Blitzer anzeigt. Zuerst zieht sie einen gesetzlichen Sicherheitsabzug für die Messungenauigkeit ab – das Bußgeld richtet sich nach einem Wert einige km/h unter Ihrer gemessenen Geschwindigkeit. Ein Laserwert von 87 km/h wird zum Beispiel nach einem Abzug von 3 km/h mit 84 bewertet. Wie hoch der Abzug ausfällt, hängt vom Messgerät und vom Tempo ab; er ist in der VSKV-ASTRA (Art. 8) festgeschrieben.
Nützlich zu wissen – aber kein Freibrief. Der Abzug deckt die Gerätegenauigkeit ab, nicht die Entscheidung, bewusst über dem Limit zu bleiben.
Bußgeld und das einkommensabhängige System
Die Schweiz hat den Ruf riesiger, gehaltsabhängiger Tempo-Bußen. Der Ruf stimmt halb, und die andere Hälfte wird oft falsch verstanden. Kleine Überschreitungen kosten eine feste Ordnungsbusse. Das Einkommen kommt erst ins Spiel, sobald Sie in den schweren Bereich rutschen.
Feste Bußen für kleine Überschreitungen
Bei geringem Tempoverstoß gibt es eine feste Busse vor Ort. Ihre Höhe hängt nur davon ab, wie weit Sie über dem Limit lagen und auf welchem Straßentyp – nicht von Ihrem Verdienst. Diese festen Bußen laufen bis zu einer Obergrenze pro Fall (Stand: 07/2026).
| Über dem Limit | Innerorts (50) | Außerorts (80) | Autobahn (120) |
|---|---|---|---|
| 1–5 km/h | 40 CHF | 40 CHF | 20 CHF |
| 6–10 km/h | 120 CHF | 100 CHF | 60 CHF |
| 11–15 km/h | 250 CHF | 160 CHF | 120 CHF |
| 16–20 km/h | Anzeige | 240 CHF | 180 CHF |
| 21–25 km/h | Anzeige | Anzeige | 260 CHF |
Die feste Busse endet bei 15 km/h über dem Limit innerorts, bei 20 km/h außerorts und bei 25 km/h auf der Autobahn. Darüber gibt es statt einer Ordnungsbusse eine Anzeige – der Fall geht ans Gericht und kann Richtung Ausweisentzug laufen.
Wann das Einkommen zählt
Jenseits der festen Grenze ist der Verstoß kein einfaches Ticket mehr. Schwere Fälle werden mit einer Geldstrafe in Tagessätzen geahndet, deren Tagessatz sich nach Einkommen und Vermögen richtet. Dasselbe Tempo kostet damit einen Gutverdiener weit mehr als einen Durchschnittsfahrer.
Die viel geteilten Geschichten von sechsstelligen Bußen stammen aus genau diesem Bereich, angewandt auf sehr wohlhabende Fahrer in Extremfällen – nicht aus einem gewöhnlichen Ausrutscher auf der Autobahn. Die ehrliche Kurzfassung: Bleiben Sie nah am Limit, ist die Buße fest und berechenbar. Schießen Sie weit darüber, skaliert sie mit Ihrem Kontostand.
Der Raser-Tatbestand: wenn Tempo zur Straftat wird
Die Schweiz behandelt extremes Rasen als Verbrechen, nicht als Verkehrssache. Die Regeln stehen in Artikel 90 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG), oft Raser-Tatbestand genannt. Überschreiten Sie diese Grenzen, folgt ein Strafverfahren.
| Wo das Limit gilt | Raser-Tatbestand ab |
|---|---|
| Tempo-30-Zone | 40 km/h darüber |
| 50 km/h (innerorts) | 50 km/h darüber |
| 80 km/h (außerorts) | 60 km/h darüber |
| 120 km/h (Autobahn) | 80 km/h darüber (also ab 200 km/h) |
Auf der Autobahn heißt die letzte Zeile: ein gemessenes Tempo von 200 km/h oder mehr. Die Strafen wiegen schwer. Eine Verurteilung kann eine Freiheitsstrafe von einem bis vier Jahren bringen, einen Führerausweisentzug von mindestens zwei Jahren und die Einziehung des Fahrzeugs, das danach verkauft oder verschrottet wird.
Eine Gesetzesänderung von 2023 gibt den Gerichten etwas mehr Spielraum, das Strafmaß in mildernden Fällen zu senken. Die Schwellen und die Befugnis, das Auto einzuziehen, bleiben aber bestehen. Für einen Besucher heißt das: Halten Sie auf schnellen, leeren Straßen einen weiten Abstand zum Limit. Die Linie zwischen Buße und Strafregister liegt näher, als sie aussieht.
Blitzer, Kontrolle und die Promillegrenze
Die Schweiz betreibt ein dichtes Netz aus festen Kameras, mobilem Radar und Abschnittskontrollen in Tunneln und Baustellen. Ein ausländisches Kennzeichen ist kein Schutz. Das Land tauscht Daten aus und nutzt Inkasso-Wege, die Ihnen nach Hause folgen; eine offene Buße kann bei der nächsten Einreise wieder auftauchen.
Die Alkoholregeln werden ebenso streng durchgesetzt. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Für Neulenker in den ersten drei Jahren gilt sie praktisch bei null (0,1 Promille) – dieselbe Grenze trifft Lernfahrer, Begleitpersonen und Berufsfahrer. „Ich bin bis dahin wieder über der Grenze“ ist hier kein Plan, der aufgeht.
Bußgeld aus dem Ausland: die Schweiz steht außerhalb der EU-Regel
Anders als ihre Nachbarn gehört die Schweiz nicht zur EU. Die EU-Richtlinie 2015/413 zum grenzüberschreitenden Datenaustausch gilt hier nicht. Das heißt aber nicht, dass eine Schweizer Buße verfällt. Die Schweiz tauscht bilateral Daten aus und treibt offene Beträge über eigene Wege ein.
Für Sie als deutscher Fahrer sind zwei Dinge wichtig. Erstens: Ein Schweizer Tempoverstoß bringt keine Punkte in Flensburg – das Fahreignungsregister erfasst nur inländische Verstöße. Zweitens: Bezahlen müssen Sie trotzdem. Eine unbezahlte Buße kann Sie über das Inkasso erreichen oder bei der nächsten Fahrt in die Schweiz am Zoll wieder auf den Tisch kommen.
Winter- und Alpenregeln, die Ihr Tempo betreffen
Die Schweiz kennt keine pauschale Winterreifenpflicht mit festem Datum. Der Haken ist die Haftung. Kommt Ihr Auto mit den Verhältnissen nicht zurecht und verursachen Sie eine Behinderung oder einen Unfall, drohen ein Bußgeld und die volle Verantwortung – rechtlicher Anker ist die Betriebssicherheitspflicht des Fahrzeugs (SVG Art. 29). Winterreifen sind daher etwa von Oktober bis Ostern dringend empfohlen. Schneeketten sind Pflicht, wo ein blaues Schild sie vorschreibt; legen Sie sie vor dem betreffenden Abschnitt an.
Die Tempolimits ändern sich in den Bergen nicht, das sichere Tempo aber schon. Auf engen Alpenpässen hat das bergauf fahrende Fahrzeug meist Vorrang, und viele Tunnel tragen ein eigenes Limit samt Mindestabstand. Bei schlechter Sicht oder auf nassem Pass ist das Limit eine Obergrenze, kein Ziel.
Die Vignette, die dieselben Autobahnen verlangen
Auf denselben Autobahnen, auf denen die 120 gilt, brauchen Sie eine Vignette. Ohne sie droht eine Buße zusätzlich zu jedem Tempo-Bußgeld – sie gehört also auf die Checkliste vor der Abfahrt.
Drei Dinge unterscheiden die Schweizer Autobahnvignette von den meisten Nachbarn. Es gibt sie nur als Jahresvignette – keine 10-Tages- oder Monatsvariante, sodass selbst ein einziger Transittag die volle Jahresvignette braucht. Seit August 2023 wählen Sie zwischen der klassischen Klebevignette und einer E-Vignette, die an das Kennzeichen gebunden ist. Und sie deckt Liechtenstein gleich mit ab – für diesen kurzen Abschnitt brauchen Sie keine eigene Vignette. Wer unterwegs online bleiben will, holt sich vorher eine Reise-eSIM für Europa.
Fazit
Das Tempolimit in der Schweiz liegt bei 120 auf der Autobahn, 100 auf der Autostrasse, 80 außerorts und 50 innerorts, dazu Tempo-30-Zonen in Wohngebieten. Die Autobahnzahl ist niedriger als in Deutschland, Österreich und Italien – stellen Sie Ihre Gewohnheit an der Grenze zurück. Kleine Überschreitungen bringen eine feste Busse, schwere Fälle laufen über einkommensabhängige Tagessätze, und 80 km/h über dem Autobahnlimit ist der strafrechtliche Raser-Tatbestand mit Freiheitsstrafe, zwei Jahren Ausweisentzug und dem Verlust des Autos.
Regeln Sie vor der Abfahrt Ihre Vignette, halten Sie unter jedem Limit einen klaren Abstand und denken Sie an die praktische Null-Promille-Regel für Neulenker. Dann ist die Schweiz eines der ruhigsten und best gepflegten Länder, die man in Europa durchfahren kann. Weitere Länder finden Sie in unseren Verkehrsregeln-Ratgebern.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie schnell darf ich auf der Schweizer Autobahn fahren? Auf der Autobahn gilt für Pkw ein Tempolimit von 120 km/h, nicht 130 wie bei mehreren Nachbarn. Ziehe ich einen Anhänger oder Wohnwagen, fällt mein Limit auf 80 km/h – auch auf der Autobahn. Ein niedrigeres Schild hat immer Vorrang.
Sind Schweizer Tempo-Bußen wirklich vom Einkommen abhängig? Nur oberhalb einer bestimmten Grenze. Kleine Überschreitungen kosten eine feste Ordnungsbusse, die mein Einkommen nicht beachtet. Erst darüber wird der Fall mit Tagessätzen nach Einkommen und Vermögen geahndet – daher die wenigen sehr hohen Bußen in den Schlagzeilen.
Was passiert, wenn ich in der Schweiz 200 km/h fahre? Gemessene 200 km/h auf einer 120er-Autobahn sind ein Raser-Tatbestand nach SVG Art. 90. Das kann eine Freiheitsstrafe von einem bis vier Jahren bringen, einen Führerausweisentzug von mindestens zwei Jahren und die Einziehung meines Fahrzeugs.
Wie viel Toleranz gibt mir ein Schweizer Blitzer? Nur den gesetzlichen Sicherheitsabzug, und der ist minimal – je nach Messgerät wenige km/h. Ein Laserwert von 87 km/h wird zum Beispiel mit 84 bewertet. Einen bequemen Puffer über der ausgeschilderten Zahl gibt es nicht.
Was ist die Promillegrenze in der Schweiz? Die allgemeine Promillegrenze liegt bei 0,5. Bin ich Neulenker in den ersten drei Jahren – oder Lernfahrer, Begleitperson oder Berufsfahrer –, gilt praktisch null (0,1 Promille).
Bekomme ich für einen Schweizer Blitzer Punkte in Flensburg? Nein. Das Fahreignungsregister in Flensburg erfasst nur Verstöße in Deutschland, und die Schweiz steht außerhalb der EU-Richtlinie 2015/413. Bezahlen muss ich trotzdem: Die Schweiz treibt offene Bußen bilateral ein, und sie können bei der nächsten Einreise wieder auftauchen.
Quellen
- ch.ch – Zu schnelles Fahren (Geschwindigkeit und Bußen)
- ch.ch – Alkohol im Strassenverkehr
- Strassenverkehrsgesetz (SVG), Art. 90 – Fedlex
- Messtoleranz (VSKV-ASTRA, Art. 8) – Fedlex
- Bundesamt für Strassen (ASTRA/FEDRO)
- Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG), Autobahnvignette
- EU-Richtlinie (EU) 2015/413 (grenzüberschreitender Informationsaustausch)

Ramis Kalkan leads growth at Vignetim. He writes about everything that makes European road trips smoother, from digital vignettes to eSIMs. Based in Ankara, usually mid-way through planning his next drive.

