Liegt Ihr Güterfahrzeug über 3,5 Tonnen und berührt es eine öffentlich genutzte Straße in Estland, schulden Sie die Teetasu. Eine Schranke gibt es dafür nicht, keinen Aufkleber und kein Fahrzeuggerät: Die Zahlung ist ein Eintrag zu Ihrem Kennzeichen. Im Gesetz heißt die Abgabe teekasutustasu; teetasu.ee ist nur die Adresse des staatlichen Portals.
Für alle anderen Fahrzeuge ist die Antwort genauso kurz. Eine Vignette für estnische Straßen existiert nicht, und für einen Pkw, ein Wohnmobil oder einen Bus gibt es nichts zu kaufen. Falls Sie den Unterschied zwischen einer zeitbasierten Vignette und einer Maut einordnen wollen: Unser Vignetten-Grundlagenartikel erklärt ihn in zwei Minuten.
Die Gebühr muss vor der Abfahrt gültig sein
Das estnische Recht erlaubt einen späteren Beginn, aber niemals eine Rückdatierung. Schon die Fahrt unbezahlt zu beginnen, ist zudem selbst ein Verstoß. Wer ohne Deckung angehalten wird, zahlt die Sanktion und kauft die Laufzeit anschließend trotzdem, ab diesem Moment. Einen Weg, die gefahrenen Kilometer nachträglich zu begleichen, kennt das Gesetz nicht. Der Kauf gehört also vor die Abfahrt, nicht hinter ein Gespräch am Straßenrand.
Wer zahlt die Maut in Estland, und wer nicht?
Das Gesetz stellt einen zweiteiligen Test auf, und beide Hälften müssen zutreffen. Das Fahrzeug muss ein veoauto sein, also ein Güterfahrzeug der EU-Klasse N, und seine eigene zulässige Gesamtmasse muss über 3500 kg liegen. Die estnische Verkehrsverwaltung Transpordiamet verkürzt das zu „N2 und N3“. Die Kurzform trifft den Regelfall, aber nicht den Sonderfall: Im Gesetzestext stehen diese Buchstaben nicht, und maßgeblich bleibt der zweiteilige Test.
Sie zahlen je Laufzeit, bevor die Räder rollen, mit estnischem wie mit ausländischem Kennzeichen. Für ausländisch zugelassene Lkw gelten dieselbe Pflicht, dieselben Sätze und dieselben Erstattungsrechte. Einen Zuschlag oder Nachlass nach Zulassungsland kennt das System nicht.
Die Schwelle von 3500 kg bemisst das Gesetz nach der technisch zulässigen Höchstmasse des Herstellers, nicht nach der eingetragenen Masse, die niedriger sein darf. Ein auf 3500 kg herabgestuftes Fahrzeug, das der Hersteller mit 3850 kg gebaut hat, ist zahlungspflichtig.
Eine Zahlung deckt das ganze Gespann. Die Pflicht löst allein die eigene Masse des Motorwagens aus, ein leichtes Zugfahrzeug wird also durch einen schweren Anhänger nicht plötzlich pflichtig. Für die Höhe des Satzes zählt der Anhänger dagegen mit.
Ein Wohnmobil ist als M1 zugelassen, und für M1 gibt es keine Gewichtsobergrenze. Ein Camper mit 7,5 Tonnen zahlt in Estland also nichts. Busse sind M2 oder M3 und für Personen gebaut, nicht für Güter: Auch ein 15-Tonnen-Reisebus zahlt nichts. Beides ist keine Befreiung, sondern liegt von vornherein außerhalb der Abgabe. Ein Detail für Selbstausbauer: Bleibt ein umgebauter Camper über 3500 kg in Klasse N eingetragen, ist er pflichtig. Prüfen Sie das Feld der Fahrzeugklasse, nicht die Optik des Aufbaus.
Sonderfahrzeuge: die Registerklasse allein entscheidet nicht
Der estnische Justizkanzler hat 2019 festgestellt, dass die Eintragung im Register die Zahlungspflicht nicht begründet. Ein als N3 geführter Autokran ist kein Güterfahrzeug, weil er nicht dem Transport von Gütern dient. Ihn dennoch zur Zahlung zu verpflichten, lässt sich nach dieser Entscheidung nicht auf das Gesetz stützen. Wer mit Kranwagen, Bohrgerät oder ähnlichem Spezialgerät unterwegs ist, prüft deshalb den Zweck des Fahrzeugs und nicht nur den Buchstaben im Schein.
Die estnische Kfz-Steuer ändert daran nichts. Sie hängt einzig am Eintrag im estnischen Fahrzeugregister. Ein Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen schuldet davon nichts, wie oft es auch nach Estland fährt.
Wer ist von der Straßennutzungsgebühr befreit?
Hier lohnt eine Unterscheidung, weil zwei verschiedene Dinge „befreit“ heißen. Pkw, Wohnmobile und Busse sind nicht befreit, sie waren nie erfasst. Wer sie auf der Befreiungsliste sucht und nicht findet, zieht daraus leicht den falschen Schluss.
Die gesetzliche Liste selbst ist geschlossen und gilt innerhalb der Güterfahrzeuge:
- Lkw der Streitkräfte, der Verteidigungsliga, ausländischer Streitkräfte, der Polizei- und Grenzschutzbehörde und der Rettungsdienste. Eine allgemeine Befreiung für den Staatsdienst gibt es nicht: Der gewöhnliche Lkw eines Ministeriums zahlt wie jeder andere.
- Lkw von internationalen Hilfsorganisationen.
- Lkw, die überwiegend für Rettungsarbeiten eingesetzt werden, auch die einer Gemeinde, eines Vereins, einer Stiftung oder eines Unternehmens.
- Oldtimer: mindestens 35 Jahre seit der Herstellung und förmlich als solche anerkannt.
Elektro- und Wasserstoff-Lkw zahlen bis zum 30. Juni 2031 nichts
Eine Änderung des Verkehrsgesetzes, seit dem 17. April 2026 in Kraft, stellt Null-Emissions-Lkw bis zum 30. Juni 2031 frei, und zwar rückwirkend zum 1. Januar 2026. Die für sie geschriebenen Sätze verschiebt dasselbe Gesetz auf Juli 2031. Die Befreiungsliste und die Tariftabelle des staatlichen Portals führen die Neuregelung noch nicht. Wer sich allein auf das Portal verlässt, übersieht sie also leicht.
Preise und Laufzeiten für die estnische Maut
Die Preise unten kommen live aus unserem Katalog: Was Sie sehen, ist der Endpreis.
LKW 3.5-12t
Die angezeigten Preise entsprechen dem Gesamtbetrag inklusive Straßenabgabe und Registrierungsgebühr.
Wonach sich Ihr Satz richtet
Drei Angaben bestimmen die Stufe, und zwei davon werden regelmäßig falsch verstanden.
Die Pflicht löst die eigene Masse des Lkw über 3500 kg aus. Die Preisstufe bildet dagegen die Summe aus zulässiger Gesamtmasse von Lkw und Anhänger, mit der Grenze bei 12 000 kg. Daraus entsteht eine Kante, die sich vor dem Kauf zu prüfen lohnt: Ein Solofahrzeug mit 7,5 Tonnen bleibt in der unteren Stufe, dasselbe Fahrzeug mit einem 6-Tonnen-Anhänger rutscht in die obere.
Gezählt werden die Achsen von Lkw und Anhänger zusammen, mit der Grenze bei drei gegenüber vier und mehr. Eine Sattelzugmaschine mit Auflieger landet fast immer in der Gruppe ab vier Achsen. Praktische Abkürzung: Unter 12 000 kg Summe fragt das System weder nach Achsen noch nach EURO-Klasse, denn diese Stufe hat einen einzigen festen Satz.
Sie zählt allein für das Zugfahrzeug, und saubere Klassen zahlen für dieselbe Laufzeit deutlich weniger. Im Gesetz steckt dazu eine Falle: Lässt sich die EURO-Klasse nicht feststellen, wird nach EURO 0 abgerechnet, der teuersten Stufe überhaupt. Geben Sie die Klasse also korrekt an und führen Sie die Zulassungsbescheinigung mit.
Welche Laufzeit passt zu Ihrer Tour?
Sechs Laufzeiten stehen zur Wahl. Sie decken jeweils einen einzigen zusammenhängenden Zeitraum ab, der zum gewählten Beginn startet.
24 Stunden
Eine einzelne Zustellfahrt oder eine Transitetappe. Gerechnet wird ein fortlaufender Zeitraum von 24 Stunden ab Ihrem Beginn, kein Kalendertag, der um Mitternacht endet.
7 oder 30 Tage
Die Arbeitspferde für eine Tourenserie oder einen Projektmonat. Gekauft wird auf das Kennzeichen, gefahren auf jeder öffentlichen Straße.
90 Tage oder 6 Monate
Saisongeschäft: Holz, Ernte, Baustelle. Die 6-Monats-Laufzeit erspart Ihnen den zweiten Kauf mitten in der Saison.
365 Tage
Die Flottenantwort. Ein Kauf je Fahrzeug und Jahr, danach beschäftigt Estland die Disposition nicht mehr.
Die Gültigkeit beginnt mit der Zahlung, sofern Sie keinen späteren Beginn wählen. Vordatieren erlaubt das Gesetz bis zu einem Jahr im Voraus. Genau deshalb regeln Sie heute die Fahrt eines Lkw, der erst am Donnerstag über die Grenze geht.
So kaufen Sie die Maut für Estland online
Fahrzeugdaten eingeben
Die Summe der zulässigen Gesamtmassen von Lkw und Anhänger, die Summe der Achsen und die EURO-Klasse des Motorwagens, alles aus den Fahrzeugpapieren. Unter 12 000 kg Summe fragt das System nach Klasse und Achsen gar nicht. Eine sauberere Klasse anzugeben, als das Fahrzeug tatsächlich erfüllt, ist kein Schreibfehler, sondern gilt als zu niedrig bezahlte Gebühr.
Laufzeit wählen
24 Stunden, 7 Tage, 30 Tage, 90 Tage, 6 Monate oder 365 Tage. Dazu den Beginn: sofort oder ein Datum, an dem der Lkw wirklich fährt.
Kennzeichen und Zulassungsland eingeben
Exakt wie in der Zulassungsbescheinigung, in lateinischen Buchstaben, ohne Leerzeichen und Bindestriche. Sonderzeichen werden umgeschrieben: Aus Ö und Ø wird O, aus Ä und Å wird A. Der Eintrag hängt am Kennzeichen, diese Zeile ist also das ganze Produkt.
Mit Kreditkarte zahlen
Bestätigung und Belegdatei kommen per E-Mail, und Ihr Kennzeichen wird nach dem Zahlungseingang im staatlichen System registriert.
Wo Sie die Gebühr sonst kaufen können
Jeder Kanal schreibt denselben Eintrag in dasselbe staatliche System. Anders sind nur der Weg dorthin und die Frage, ob eine Servicegebühr obendrauf kommt.
Kennzeichen, Fahrzeugdaten, Laufzeit, bezahlt. Die Bestätigung liegt in Ihrem Postfach, bevor der Lkw die Grenze erreicht.
Derselbe Kauf vom Handy aus, für iOS und Android. Gebaut für den Fahrer, der aus dem Fahrerhaus kauft, nicht aus dem Büro.
teetasu.ee, betrieben von der Verkehrsverwaltung Transpordiamet, verkauft online und veröffentlicht die amtliche Tariftabelle.
Diese Gebühr ist kein reines Onlineprodukt. An den Zollschaltern der Grenzübergänge Luhamaa und Koidula sowie am Zoll des Flughafens Tallinn zahlen Sie bar oder mit Karte, ohne Zuschlag. Das amtliche Verzeichnis führt Narva zwar weiter als Zahlstelle, der Übergang ist für den Fahrzeugverkehr aber seit dem 1. Februar 2024 geschlossen; bei der Steuer- und Zollbehörde in Pärnu gibt es Karten- und Selbstbedienungszahlung. Dazu kommen rund 30 gewerbliche Vermittler, mehrere davon in Lettland und Litauen: Virši-A und KOOL Latvija in Ainaži, Valka und Sigulda, Eurokusta in Kalvarija. Vermittler dürfen eine eigene Servicegebühr aufschlagen.
Für eine Anfahrt aus dem Süden ist das ein klarer Vorteil
Wer aus Lettland heraufkommt, kauft die estnische Deckung schon vor der Grenze, an einer Tankstelle in Ainaži oder Valka. Umgekehrt taugen die Zollschalter an der Südostgrenze nicht als Plan für eine Nachtankunft: Diese Übergänge sind nachts geschlossen, und die Regelung wird von der Regierung immer wieder verlängert. Prüfen Sie die aktuellen Öffnungszeiten, bevor Sie den Kauf auf die Grenze verschieben.
Nachweis, Kennzeichenabfrage und Erstattung
Gedruckt wird nichts, angebracht wird nichts. Der Nachweis ist die Bestätigung des Kaufs: Legen Sie die Datei zu den Fahrzeugpapieren. Beim Kauf erfasst das System genau sieben Angaben, nämlich Kennzeichen, Zulassungsland, Summe der Massen, EURO-Klasse, Summe der Achsen, Laufzeit und Beginn. Hochgeladen wird dabei kein Dokument. Steht Ihr Fahrzeug nicht im estnischen Register, gilt Ihre Angabe, und der Fahrer muss sie unterwegs mit der Zulassungsbescheinigung belegen können.
Jedes Kennzeichen lässt sich kostenlos und ohne Anmeldung prüfen
Das Staatsportal hat eine öffentliche Abfrage. Sie geben Zulassungsland und Kennzeichen ein und erhalten die laufende Deckung, künftige Laufzeiten und die angemeldeten Werte für Masse, EURO-Klasse und Achszahl. Sechs Felder sind von Gesetzes wegen öffentlich, deshalb braucht die Abfrage kein Konto. Eine Grenze sollten Sie kennen: Sie zeigt laufende und künftige Deckung, niemals vergangene Zahlungen.
Zahlungspflichtig ist der Halter, oder der eingetragene verantwortliche Nutzer, wo einer eingetragen ist. Nicht der Fahrer und nicht der Spediteur. Die Pflicht des Fahrers ist die umgekehrte: Er darf die Fahrt nicht unbezahlt beginnen. Estland ahndet beides als zwei getrennte Verstöße, und die schwereren Beträge treffen das Unternehmen.
Erstattungen sind enger gefasst, als viele Ratgeber vermuten, und den Ausschlag gibt die Länge des Kaufs. Eine Laufzeit unter 90 Tagen wird nie erstattet, Laufzeiten von 90 Tagen und mehr schon. Für die 6-Monats-Laufzeit stützt sich das allerdings auf die Auslegung des Portals, nicht auf den Gesetzestext. Auch dann braucht es einen von vier Gründen: Der Lkw wird aus einem Register gelöscht, auch vorübergehend; seine Registereintragung ruht; Halter oder verantwortlicher Nutzer wechseln; oder er wird für die Landesverteidigung herangezogen. Ungenutzte Tage allein sind kein Grund. Die Frist beträgt drei Monate ab dem auslösenden Eintrag; das Portal spricht dagegen von 90 Tagen, deshalb stellen Sie den Antrag früh. Die Entscheidung fällt binnen 30 Tagen, das Geld folgt binnen zehn weiteren Tagen. Für ausländisch zugelassene Fahrzeuge gelten dieselben Bedingungen, und die Löschung aus dem Register eines anderen Staates zählt genauso.
Bußgelder und Kontrolle
Kontrolliert wird vor Ort, nicht per Post. Für diese Abgabe gibt es keine Kameraerfassung und keinen Bescheid an den Halter. Eine fehlende Zahlung fällt bei einer Kontrolle am Straßenrand, an der Waage oder an der Grenze auf. Estland betreibt weder eine elektronische Maut noch EETS-Dienste. Die Aufsicht teilen sich drei Behörden, die Verkehrsverwaltung, die Steuer- und Zollbehörde und die Polizei.
Zwei Befugnisse stoppen die Fahrt, anstatt sie später abzurechnen. Ein pflichtiger Lkw, der ohne Zahlung über die Außengrenze einreist, wird zur nächsten Verkaufsstelle geschickt. Und auf der Straße darf die Polizei dem Fahrer die Weiterfahrt bis zur Zahlung untersagen.
Was ein gestoppter Fahrer wirklich zahlt
Die Verstöße des Fahrers laufen im abgekürzten Verfahren mit einem festen Betrag: 160 Euro, wenn die Gebühr nicht bezahlt war, 80 Euro bei zu niedrig bezahlter Gebühr. Diese feste Sanktion gilt rechtlich nicht als Strafe und wird nicht ins Strafregister eingetragen.
Was das Unternehmen zahlen kann
Die Höchstbeträge treffen vor allem den Zahlungspflichtigen: bis zu 1.600 Euro, wenn er einen unbezahlten Lkw fahren lässt, und bis zu 5.000 Euro, wenn dieser Pflichtige eine Firma ist. Für den Fahrer liegt die Spitze bei 1.000 Euro, bei zu niedrig bezahlter Gebühr bei 800 Euro. Wer eine unterbezahlte Fahrt zulässt, riskiert 1.200 Euro, als Firma 2.500 Euro. Die Verstöße des Halters laufen dabei nicht im abgekürzten Verfahren, sondern im vollen.
Eine mautfreie Nebenstrecke gibt es nicht
Die Gebühr deckt alle öffentlich genutzten Straßen Estlands, rund 40 439 km, davon 23 760 km kommunale Straßen. Die Antwort auf die Frage „Brauche ich sie für diese Route?“ lautet damit immer ja, und „Ich war nicht auf einer Mautstraße“ ist hier keine Verteidigung. Es gibt keine Karte eines gebührenpflichtigen Netzes, um die herum Sie planen könnten, und keine billigere Landstraße. Die Einnahmen sind zu 100 % für die Verkehrsinfrastruktur gebunden.
Eingezogen wird Ihr Lkw nicht
Manche Ratgeber behaupten, bei Nichtzahlung drohe die Einziehung des Fahrzeugs. Für diese Abgabe gibt das estnische Recht keine solche Befugnis. Die beiden Zwangsmittel sind die oben genannten: die Weiterleitung zur nächsten Verkaufsstelle an der Grenze und das Verbot der Weiterfahrt bis zur Zahlung.
Weiterfahrt: Lettland, Litauen und die Route nach Süden
Eine baltische Gebühr, die alle drei Länder abdeckt, gibt es nicht. Estland, Lettland und Litauen betreiben je ein eigenes nationales System, getrennt gekauft und getrennt kontrolliert. Nicht einmal darüber, welche Fahrzeuge zahlen, sind sie sich einig. Wer die Via Baltica komplett fährt, kauft dreimal, und keine der drei Abgaben rechnet die anderen an.
Lettland, direkt südlich
Die Abgabe für Güterfahrzeuge beginnt schon bei über 3000 kg, der niedrigsten Gewichtszahl der drei Länder. Litauen arbeitet ohnehin nicht mit einem Gewicht, sondern mit der Fahrzeugklasse. Der lettische Staat nennt sie selbst vinjete, was sie aber nicht zu einem Pkw-Produkt macht: Für Autos ist auf lettischen Straßen nichts fällig.
Litauen, eine Etappe weiter
Hier entscheidet die Fahrzeugklasse, nicht das Gewicht. Zahlungspflichtig ist bereits ein N1-Transporter unter 3,5 Tonnen, und Busse der Klassen M2 und M3 zahlen ebenfalls. Ein Transporter, der Estland kostenlos durchquert, ist dort pflichtig.
Für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen weiter südlich
Dort beginnen die Vignettenländer: Tschechien, die Slowakei und Ungarn arbeiten mit einer zeitbasierten E-Vignette am Kennzeichen. Alle Länder im Überblick finden Sie in unserer Übersicht zu Vignetten und Maut.
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich für Estland eine Vignette?
Nein, eine Vignette für estnische Straßen gibt es nicht. Pkw, Motorräder, Wohnmobile und Busse nutzen das gesamte öffentliche Straßennetz kostenlos, mit jedem Kennzeichen. Bezahlt wird allein die Straßennutzungsgebühr für Güterfahrzeuge über 3,5 Tonnen. Wer für ein Auto nach einem Straßenpass sucht, braucht in Estland also keinen.
Welche Lkw brauchen die estnische Maut?
Jedes Güterfahrzeug, dessen eigene zulässige Gesamtmasse 3,5 Tonnen überschreitet, samt Anhänger, auf jeder öffentlich genutzten Straße und mit estnischem wie ausländischem Kennzeichen. Zwei Details entscheiden die Grenzfälle: Die Schwelle richtet sich nach der Herstellerangabe und nicht nach einer niedrigeren eingetragenen Masse, und die Preisstufe bilden dann die Summen aus Massen und Achsen von Lkw und Anhänger.
Muss ich mit einem Wohnmobil oder einem Bus über 3,5 Tonnen zahlen?
Nein. Ein Wohnmobil ist als M1 zugelassen, und für M1 gibt es keine Gewichtsobergrenze, ein Camper mit 7,5 Tonnen zahlt also nichts. Busse sind M2 oder M3 und für Personen gebaut, nicht für Güter. Beides steht außerhalb der Abgabe, statt auf der Befreiungsliste zu stehen. Der Fall, den Sie prüfen sollten: Ein umgebauter Camper über 3500 kg, der in Klasse N eingetragen bleibt, ist zahlungspflichtig.
Kann ich nachträglich bezahlen, wenn ich schon in Estland gefahren bin?
Nicht auf eine Weise, die das Problem löst. Eine Laufzeit lässt sich vordatieren, aber nie rückdatieren, und die Fahrt unbezahlt zu beginnen, ist selbst der Verstoß. Die gefahrenen Kilometer bleiben also ungedeckt. Wer ohne Deckung erwischt wird, zahlt die Sanktion und kauft die Laufzeit ab diesem Zeitpunkt trotzdem.
Wie wird der Satz für Lkw mit Anhänger berechnet?
Aus den Summen beider Einheiten. Die Massenstufe bildet die Summe der zulässigen Gesamtmassen von Lkw und Anhänger mit der Grenze bei 12 000 kg, die Achsstufe die Summe der Achsen mit der Grenze bei drei gegenüber vier und mehr. Nur die EURO-Klasse zählt allein für den Motorwagen. Eine Zahlung deckt das ganze Gespann.
Was passiert, wenn ich die EURO-Klasse meines Lkw nicht kenne?
Suchen Sie sie vor dem Kauf heraus. Lässt sich die Klasse nicht feststellen, rechnet das Gesetz nach EURO 0 ab, der teuersten Stufe im Tarif. Wer zu niedrig rät, zahlt drauf, und wer zu hoch rät, begeht einen Verstoß: Das gilt als zu niedrig bezahlte Gebühr. Unter 12 000 kg Summe stellt sich die Frage nicht: Diese Stufe hat einen festen Satz, und das System fragt gar nicht danach.
Zahlen Elektro-Lkw die estnische Maut?
Nein. Eine seit dem 17. April 2026 geltende Gesetzesänderung stellt Null-Emissions-Lkw bis zum 30. Juni 2031 frei, rückwirkend zum 1. Januar 2026. Die Regelung ist so neu, dass die Befreiungsliste des staatlichen Portals sie bei unserer Prüfung noch nicht zeigte. Wer nur dort nachsieht, übersieht sie leicht.
Wie hoch ist das Bußgeld, wenn ich ohne bezahlte Gebühr fahre?
Ein angehaltener Fahrer zahlt im abgekürzten Verfahren feste 160 Euro, bei zu niedrig bezahlter Gebühr 80 Euro. Darüber liegen die Höchstbeträge: 1.000 Euro für den Fahrer, 1.600 Euro für den Zahlungspflichtigen und bis zu 5.000 Euro, wenn dieser eine Firma ist. Die Gebühr selbst schulden Sie zusätzlich zu jeder Sanktion.
Kann mein Lkw in Estland eingezogen werden?
Nein. Manche Ratgeber behaupten das Gegenteil, doch für diese Abgabe kennt das estnische Recht keine Einziehung. Möglich sind zwei andere Maßnahmen: Ein unbezahlter Lkw, der über die Außengrenze einreist, wird zur nächsten Verkaufsstelle geschickt, und dem Fahrer kann die Weiterfahrt bis zur Zahlung untersagt werden.
Wie prüfe ich, ob für ein Kennzeichen bezahlt ist?
Über die kostenlose öffentliche Abfrage des Staatsportals, für die Sie kein Konto brauchen. Sie geben Zulassungsland und Kennzeichen ein und sehen die laufende Deckung, künftige Laufzeiten und die angemeldeten Werte für Masse, EURO-Klasse und Achszahl. Beachten Sie: Die Abfrage zeigt nur laufende und künftige Deckung, sie beantwortet also „Bin ich jetzt gedeckt?“ und nicht „War ich letzten Dienstag gedeckt?“.
Bekomme ich Geld zurück, wenn ich den Lkw verkaufe oder abmelde?
Nur bei Käufen von 90 Tagen und mehr, also bei 90 Tagen, 6 Monaten und 365 Tagen, und nur aus vier Gründen: Der Lkw wird aus einem Register gelöscht, auch vorübergehend; seine Registereintragung ruht; Halter oder verantwortlicher Nutzer wechseln; oder er wird für die Landesverteidigung herangezogen. Ungenutzte Tage allein zählen nicht. Sie haben drei Monate ab dem auslösenden Eintrag, und für ausländische Fahrzeuge gelten dieselben Bedingungen.
Deckt meine estnische Maut auch Lettland und Litauen?
Nein, und das ist die teuerste Annahme auf der Via Baltica. Die drei Länder betreiben getrennte Systeme mit getrennten Käufen und getrennter Kontrolle, und keines rechnet die anderen an. Selbst die Pflichtigen unterscheiden sich: Litauen belastet Busse und die ganze Klasse N1, Lettland beginnt bei über 3000 kg Güterfahrzeug und Estland bei 3,5 Tonnen.


