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Maut in Italien: So funktioniert das Ticket-System

Keine Vignette, dafür Ticket ziehen und bei der Ausfahrt zahlen: So funktioniert die Maut in Italien, so nutzen Sie Telepass und Free-Flow und so berechnen Sie die Kosten vorab.

Ramis KalkanRamis Kalkan
Aktualisiert: 8 min lesen
Italienische Mautstation mit Kabinen, dahinter führt die Autobahn durch die toskanischen Hügel.

Italien hat keine Vignette. Auf den Autobahnen (autostrade) zahlen Sie eine streckenabhängige Maut, das pedaggio. Sie ziehen bei der Einfahrt ein Ticket und zahlen bei der Ausfahrt für die gefahrene Strecke.

Für viele Reisende ist das gewöhnungsbedürftig. Sie suchen eine italienische Vignette oder eine Maut zum Online-Kauf – und finden beides nicht. Stattdessen entscheidet das Ticket an der Schranke über den Preis.

Dieser Leitfaden zeigt, wie die Maut in Italien funktioniert. Er erklärt, an welcher Spur Sie zahlen, wie Telepass und die neuen Free-Flow-Strecken laufen und wie Sie die Kosten vorab berechnen.

Kurz & knapp

  • Italien hat keine Vignette. Die Autobahnen sind mautpflichtig, abgerechnet wird streckenabhängig per Ticket.
  • Sie zahlen an der Mautstelle bar, mit Karte oder per Telepass – auf Free-Flow-Strecken innerhalb von 15 Tagen online.
  • Feste Preise gibt es nicht: Der Betrag richtet sich nach Strecke und Fahrzeugklasse. Rechnen Sie ihn vorab mit dem Rechner von autostrade.it aus.

Braucht man eine Vignette für Italien?

Nein. Für Italien brauchen Sie keine Vignette. Es gibt auch keine italienische Maut, die Sie vorab online kaufen. Wer so etwas angeboten bekommt, ist bei einem Wiederverkäufer gelandet – nicht beim offiziellen System.

Italien rechnet streckenabhängig ab. Sie zahlen erst, wenn Sie die Autobahn verlassen, und nur für die Strecke, die Sie gefahren sind. „Digitale Maut“ heißt in Italien deshalb nur eines: elektronisch zahlen per Telepass oder – auf Free-Flow-Strecken – online nach der Fahrt.

Kurz zusammengefasst:

  • Vignette: gibt es in Italien nicht.
  • Online-Maut zum Kaufen: gibt es nicht.
  • Pedaggio (Streckenmaut): zahlen Sie an der Schranke oder elektronisch.

Wie funktioniert die Maut in Italien?

Das italienische System ist ein geschlossenes Ticket-System. Der Ablauf ist immer gleich:

  • Bei der Einfahrt ziehen Sie an der Mautstelle ein Ticket.
  • Sie behalten das Ticket griffbereit – verlieren Sie es nicht.
  • Bei der Ausfahrt stecken Sie das Ticket in den Automaten und zahlen.

Einige kurze Abschnitte laufen als offenes System mit einer festen Pauschale ohne Ticket. Die Regel bleibt aber das Ticket-System.

Wie viel Sie zahlen, hängt von Ihrer Fahrzeugklasse ab. Italien misst die Höhe an der Vorderachse:

Klasse Fahrzeug Merkmal
Klasse A Pkw, Motorrad Höhe an der Vorderachse bis 1,30 m
Klasse B Wohnmobil, hoher Transporter Höhe an der Vorderachse über 1,30 m
Klasse 3–5 Lkw, Reisebus nach Achszahl

Beachten Sie: Entscheidend ist die Höhe an der Vorderachse, nicht die höchste Stelle des Fahrzeugs. Ein Wohnmobil mit hoher Front zählt als Klasse B und zahlt mehr als ein Pkw.

Was kostet die Maut in Italien – und wie berechne ich sie?

Einen festen Preis gibt es nicht. Der Betrag ergibt sich aus der gefahrenen Strecke, Ihrer Fahrzeugklasse und dem Betreiber. Über 20 Konzessionäre teilen sich das Netz, der größte ist Autostrade per l’Italia.

Rechnen Sie die Kosten deshalb vorab aus:

  • der offizielle Mautrechner von autostrade.it deckt den größten Teil des Netzes ab,
  • geben Sie Start, Ziel und Fahrzeugklasse ein,
  • der Rechner zeigt Maut, Strecke und Fahrzeit.

Ein Hinweis zur Beschilderung: Grüne Schilder kennzeichnen die mautpflichtige Autobahn (autostrada, Tempo 130). Blaue Schilder stehen für die kostenlose Schnellstraße (superstrada, Tempo 110). Schon die Farbe verrät, ob die Strecke kostet.

An welcher Spur zahle ich die Maut?

An der Mautstelle sind die Spuren nach Farbe getrennt. Fahren Sie nicht versehentlich in die Telepass-Spur, wenn Sie kein Gerät haben.

  • Weiße Spur (Personal / bar): Zahlung in bar, teils mit Personal am Schalter.
  • Blaue Spur (Karte / Viacard): Zahlung mit Kredit- oder EC-Karte.
  • Gelbe Spur mit „T“ (Telepass): nur für Fahrzeuge mit Telepass-Gerät.

Der Telepass ist die elektronische Mautbox Italiens. Die Schranke öffnet automatisch, abgerechnet wird über ein Konto. Für eine einzelne Urlaubsfahrt lohnt sich das selten, denn das Gerät ist auf Dauerkunden ausgelegt.

Achtung: Wer ohne Telepass in die gelbe „T“-Spur fährt, löst einen Zahlungsvorfall aus. Dann müssen Sie die Maut nachträglich begleichen – siehe unten.

Ticket verloren oder Maut nicht bezahlt?

Zwei Situationen bringen Reisende ins Schwitzen. Beide lassen sich lösen:

Ticket verloren. Ohne Ticket berechnet der Automat die Maut ab der am weitesten entfernten Einfahrt. Sie können den Betrag korrigieren, wenn Sie Ihre echte Einfahrt über autostrade.it nachweisen.

Maut nicht bezahlt. Fahren Sie ohne Zahlung durch (etwa in der falschen Spur), erstellt der Betreiber einen Bericht (RMPP, Rapporto di Mancato Pagamento). Sie zahlen die offene Maut dann innerhalb von 15 Tagen ohne Aufschlag online nach. Erst danach drohen zusätzliche Kosten und Punkte.

Free-Flow und Telepass: die „digitale“ Maut

Auch Italien baut sein Netz um. Auf einigen Strecken fallen die Schranken weg. Dieses Free-Flow-System liest Ihr Kennzeichen über Portale und ordnet Ihr Fahrzeug automatisch einer Klasse zu.

Free-Flow gilt bislang vor allem auf der Autostrada Pedemontana Lombarda (A36) sowie den angeschlossenen Strecken A59 und A60 nördlich von Mailand. Ohne Telepass zahlen Sie dort innerhalb von 15 Tagen – online, an Servicepunkten oder per aufladbarer Karte des Betreibers (pedemontana.com).

So ordnen Sie die drei „digitalen“ Wege ein:

  • Telepass: elektronisch an der Schranke, für Dauerkunden.
  • Free-Flow: kein Halt, Kennzeichenerkennung, Zahlung binnen 15 Tagen.
  • Online-Kauf einer Vignette: gibt es in Italien nicht.

Anreise über Österreich oder die Schweiz

Der Weg nach Italien führt fast immer durch ein Vignettenland. Planen Sie diese Etappe getrennt von der italienischen Maut.

Über den Brenner (durch Österreich): Auf österreichischen Autobahnen brauchen Sie die Vignette für Österreich. Für die Brenner-Autobahn kommt zusätzlich eine eigene Streckenmaut dazu – sie ersetzt die Vignette nicht, sondern kommt obendrauf.

Über die Schweiz (Gotthard): Fahren Sie westlich über die Schweiz, brauchen Sie die Vignette für die Schweiz. Sie gilt ein Jahr.

Kurz nach Route sortiert:

  • über den Brenner: Vignette Österreich plus Brenner-Streckenmaut,
  • über die Schweiz: Jahresvignette für die Schweiz,
  • durch mehrere Länder: alle E-Vignetten für Europa an einer Stelle.

Wie die Maut in den Nachbarländern läuft, zeigen die Guides zur Maut in Frankreich und zur Maut in Kroatien.

Tempolimits, ZTL und Bußgelder in Italien

Auf der Autostrada gilt Tempo 130 – bei Regen oder Schnee sinkt das Limit auf 110. Die Höchstwerte im Überblick:

Straßentyp trocken bei Nässe
Autobahn (autostrada) 130 km/h 110 km/h
Schnellstraße (superstrada) 110 km/h 90 km/h
Landstraße 90 km/h 90 km/h
Innerorts 50 km/h 50 km/h

Quelle: Polizia di Stato, Art. 142 CdS (Stand: Juli 2026).

Zwei Dinge kosten Reisende am häufigsten Geld:

  • ZTL (zona a traffico limitato): Fast jede Altstadt ist eine kameraüberwachte Sperrzone. Jede unerlaubte Einfahrt kostet 83 bis 332 € – der Bescheid kommt Monate später nach Hause. Klären Sie vorab, ob Ihr Hotel eine Zufahrt organisiert.
  • Tempoverstöße: Bei mehr als 10 km/h zu viel drohen 173 bis 694 €, bei starker Überschreitung deutlich mehr. Zwischen 22 und 7 Uhr steigen viele Bußgelder um ein Drittel (Stand: Juli 2026).

Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Fahranfänger der ersten 3 Jahre fahren höchstens 100 km/h auf der Autostrada.

Vor der Abfahrt: die kurze Checkliste

Damit an Grenze und Mautstelle nichts fehlt:

  • Zahlungsmittel bereit: Kreditkarte für die blaue Spur, etwas Bargeld als Reserve.
  • Vignette der Transitländer: Österreich oder Schweiz – je nach Route.
  • ZTL prüfen: Zufahrt zum Hotel in der Altstadt vorab klären.
  • Free-Flow im Blick: Bei Fahrten um Mailand die A36/A59/A60 innerhalb von 15 Tagen zahlen.
  • Unterwegs online bleiben: Wie Sie Navigation und Roaming absichern, zeigt der Guide Internet im Ausland. Für Italien passt eine eSIM für Italien mit Datenpaket.

Häufige Fragen zur Maut in Italien

Brauche ich eine Vignette für Italien?

Nein. Italien hat keine Vignette. Auf den Autobahnen zahlen Sie eine streckenabhängige Maut per Ticket. Es gibt auch keine italienische Maut, die Sie vorab online kaufen können.

Wie bezahle ich die Maut in Italien?

Sie ziehen bei der Einfahrt ein Ticket und zahlen bei der Ausfahrt – bar, mit Karte oder per Telepass. Auf Free-Flow-Strecken ohne Schranke zahlen Sie innerhalb von 15 Tagen online.

Was kostet die Maut in Italien?

Das hängt von Strecke, Fahrzeugklasse und Betreiber ab. Feste Preise gibt es nicht. Rechnen Sie den Betrag vorab mit dem offiziellen Rechner von autostrade.it aus – dort geben Sie Start, Ziel und Fahrzeugklasse ein.

Was mache ich, wenn ich das Ticket verloren habe?

Ohne Ticket berechnet der Automat die Maut ab der am weitesten entfernten Einfahrt. Sie können den Betrag korrigieren, wenn Sie Ihre tatsächliche Einfahrt über autostrade.it nachweisen.

Was ist eine ZTL in Italien?

Eine ZTL ist eine kameraüberwachte Sperrzone in der Altstadt. Jede unerlaubte Einfahrt kostet 83 bis 332 € – der Bescheid erreicht Sie oft erst Monate später. Fragen Sie im Hotel nach einer Zufahrtsgenehmigung.

An welcher Spur muss ich an der Mautstelle zahlen?

Meiden Sie die gelbe „T“-Spur, wenn Sie kein Telepass-Gerät haben. Nutzen Sie die blaue Spur mit Kartensymbol oder die weiße Spur für Bargeld.

Gilt in Italien bei Regen ein anderes Tempolimit?

Ja. Auf der Autobahn sinkt das Limit bei Nässe von 130 auf 110 km/h, auf der Schnellstraße von 110 auf 90 km/h. Automatische Kameras (Tutor) messen den Schnitt über längere Abschnitte.

Zählt mein Wohnmobil als Pkw?

Nur, wenn es an der Vorderachse nicht höher als 1,30 m ist. Ein höheres Wohnmobil fällt in Klasse B und zahlt mehr. Der Mautrechner berücksichtigt die Klasse.

Das Wichtigste in einem Satz

Italien hat keine Vignette, sondern eine streckenabhängige Maut per Ticket – gezahlt an der Schranke, per Telepass oder im Free-Flow binnen 15 Tagen. Drei Dinge klären Sie am besten vor der Abfahrt:

  • die Kosten mit dem Rechner von autostrade.it ausrechnen,
  • die Vignette für Österreich oder die Schweiz für die Anreise besorgen,
  • die ZTL-Zufahrt zum Hotel in der Altstadt vorab klären.

Weitere Länder-Guides finden Sie in unserer Übersicht der Maut-Guides.

Quellen

Ramis Kalkan
Ramis Kalkan

Ramis Kalkan leads growth at Vignetim. He writes about everything that makes European road trips smoother, from digital vignettes to eSIMs. Based in Ankara, usually mid-way through planning his next drive.