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Maut in Frankreich: So bezahlen Sie – vom Ticket bis Free-Flow

Keine Vignette, dafür Mautstellen und schrankenlose Free-Flow-Strecken: So funktioniert die Maut in Frankreich, so zahlen Sie richtig und so berechnen Sie die Kosten vor der Fahrt.

Ramis KalkanRamis Kalkan
Aktualisiert: 9 min lesen
Mautstelle auf einer französischen Autobahn mit Überdachung und mehreren Spuren im warmen Abendlicht.

Frankreich hat keine Vignette. Statt eines Aufklebers fürs Fenster zahlen Sie eine streckenabhängige Maut, das péage. Wie viel es kostet, hängt von der gefahrenen Strecke, der Fahrzeugklasse und dem Autobahnbetreiber ab.

Für Reisende aus Deutschland ist das die erste Überraschung. Sie suchen eine französische Vignette und finden keine. Stattdessen ziehen Sie an der Autobahn ein Ticket oder fahren unter einer Kamera hindurch, die Ihr Kennzeichen liest.

Dieser Leitfaden zeigt, wie die Maut in Frankreich funktioniert. Er erklärt, an welcher Spur Sie zahlen, wie das neue Free-Flow-System läuft und wie Sie die Kosten vor der Abfahrt berechnen.

Kurz & knapp

  • Frankreich hat keine Vignette. Die Autobahnen (autoroutes) sind mautpflichtig, abgerechnet wird streckenabhängig.
  • Sie zahlen an der Mautstelle bar, mit Karte oder per Télépéage – oder auf schrankenlosen Free-Flow-Strecken innerhalb von 72 Stunden online.
  • Feste Preise gibt es nicht: Der Betrag richtet sich nach Strecke und Fahrzeugklasse. Rechnen Sie ihn vorab mit dem offiziellen Mautrechner aus.

Braucht man eine Vignette für Frankreich?

Nein. Für die französischen Autobahnen brauchen Sie keine Vignette. Die Maut wird pro Strecke berechnet, nicht für einen Zeitraum. Damit unterscheidet sich Frankreich von Österreich oder der Schweiz, wo eine zeitbasierte Vignette gilt.

Es gibt allerdings einen zweiten Aufkleber, der leicht verwechselt wird: die Crit’Air-Plakette (Umweltplakette). Sie hat mit der Maut nichts zu tun, sondern regelt die Einfahrt in Umweltzonen der Städte. Was Sie dafür brauchen, steht weiter unten.

Merken Sie sich die Unterscheidung:

  • Maut (péage): Pflicht auf den meisten Autobahnen, Zahlung pro Strecke.
  • Crit’Air-Plakette: Pflicht nur in bestimmten Umweltzonen, nichts mit der Autobahn zu tun.

Wie funktioniert die Maut in Frankreich?

Das französische Mautnetz kennt drei Zahlwege. Welcher gilt, erkennen Sie an der Beschilderung und an den Farben der Spuren.

1. Geschlossenes System (mit Ticket). Auf dem größten Teil des Netzes ziehen Sie bei der Einfahrt ein Ticket. Bei der Ausfahrt zahlen Sie den Betrag für die gefahrene Strecke.

2. Offenes System (Pauschale). Auf einzelnen Abschnitten steht eine Mautstelle mitten auf der Strecke. Dort zahlen Sie eine feste Pauschale, ohne Ticket.

3. Free-Flow (ohne Schranke). Auf neueren Strecken gibt es keine Mautstelle mehr. Kameras auf Portalen lesen Ihr Kennzeichen, Sie zahlen nachträglich. Dazu unten mehr.

Wie viel Sie zahlen, hängt auch von Ihrer Fahrzeugklasse ab. Der Betreiber teilt jedes Fahrzeug in eine von fünf Klassen ein:

Klasse Fahrzeug Merkmal
Klasse 1 Pkw, SUV, kleiner Transporter Höhe bis 2 m, bis 3,5 t
Klasse 2 großer Transporter, Wohnmobil, Pick-up Höhe über 2 m bis 3 m, bis 3,5 t
Klasse 3 Lkw, Reisebus (2 Achsen) ab 3 m Höhe oder über 3,5 t
Klasse 4 Lkw, Reisebus (3+ Achsen) ab 3 m Höhe oder über 3,5 t
Klasse 5 Motorrad, Trike Zweirad mit Motor

Beachten Sie: Ein Wohnmobil über 2 m Höhe fällt in Klasse 2 und zahlt mehr als ein Pkw. Entscheidend ist die Gesamthöhe, nicht das Gewicht allein.

Was kostet die Maut in Frankreich – und wie berechne ich sie?

Einen festen Preis gibt es nicht. Der Betrag ergibt sich aus drei Größen: der gefahrenen Strecke, Ihrer Fahrzeugklasse und dem jeweiligen Autobahnbetreiber. Deshalb kostet dieselbe Distanz nicht überall gleich viel.

Rechnen Sie die Kosten deshalb vor der Abfahrt aus. Dafür gibt es offizielle Mautrechner:

  • der Mautrechner des Betreiberverbands ASFA (autoroutes.fr) für das gesamte Netz,
  • die Rechner der großen Betreiber VINCI Autoroutes, Sanef und APRR für ihre Strecken.

So gehen Sie vor:

  • Geben Sie Start und Ziel ein.
  • Wählen Sie Ihre Fahrzeugklasse (Pkw = Klasse 1).
  • Der Rechner zeigt Maut, Strecke und Fahrzeit.

Ein Tipp für die Planung: Manche Nebenrouten sind mautfrei, dauern aber länger. Der Rechner zeigt beide Varianten – so wägen Sie Zeit gegen Kosten ab.

An welcher Spur zahle ich die Maut?

An der Mautstelle (péage) sind die Spuren farbig markiert. Die richtige Spur zu wählen, erspart Ihnen ein Rangieren im letzten Moment.

  • Orange „t“ (Télépéage): nur für Fahrzeuge mit elektronischer Mautbox. Ohne Box hier nicht einfahren.
  • Blau mit Kartensymbol: Zahlung mit Kredit- oder EC-Karte.
  • Grün mit Münzsymbol / Personal: Zahlung bar oder an einem bedienten Schalter.

Die orange Spur gehört zum Télépéage, dem elektronischen Mautsystem. Dafür kleben Sie eine kleine Box (Badge „Liber-t“) hinter die Windschutzscheibe. Die Schranke öffnet automatisch, abgerechnet wird monatlich per Bankeinzug.

Für eine einzelne Urlaubsfahrt lohnt sich der Badge selten. Er kostet eine kleine Grundgebühr und wird von privaten Anbietern wie Ulys, Bip&Go oder Fulli ausgegeben. Wer regelmäßig nach Frankreich fährt, spart damit Zeit an der Schranke.

Maut ohne Schranke: das Free-Flow-System

Frankreich baut sein Netz um. Auf immer mehr Strecken fallen die Schranken weg. Dieses Free-Flow-System (péage en flux libre) funktioniert ohne Anhalten: Portale über der Fahrbahn lesen Ihr Kennzeichen, Sie fahren einfach durch.

Free-Flow gilt aktuell auf diesen Strecken:

  • A79 in der Region Allier – die erste Free-Flow-Autobahn Frankreichs (seit 2022),
  • A13 und A14 zwischen Paris und der Normandie (seit 2024),
  • die Anschlussstelle Boulay-Moselle (Ausfahrt 36) auf der A4.

Weitere Strecken folgen: Die A40 Richtung Genf soll 2027 umgestellt werden, langfristig der größte Teil des Netzes.

Ohne Schranke zahlen Sie nachträglich. Dafür haben Sie 72 Stunden ab der Durchfahrt:

  • online auf der Website des Betreibers (Kennzeichen eingeben, mit Karte zahlen),
  • im Geschäft an einem Partner-Kiosk (Tabak-Läden im Nirio-Netz), bar oder mit Karte,
  • automatisch per Télépéage-Box, falls vorhanden.

Achtung: Wer nicht innerhalb von 72 Stunden zahlt, bekommt einen Zahlungsbescheid nach Hause. Dann fällt ein Zuschlag von 90 € an – reduziert auf 10 €, wenn Sie innerhalb von 15 Tagen nach dem Bescheid zahlen (Stand: Juli 2026). Notieren Sie sich die Free-Flow-Abschnitte Ihrer Route, damit Sie die Zahlung nicht vergessen.

Crit’Air: die Umweltplakette für französische Städte

Ein großer Teil der Suchen nach „Vignette Frankreich“ zielt gar nicht auf die Maut, sondern auf die Crit’Air-Plakette. Das ist eine Umweltplakette, die nach Schadstoffklasse eingeteilt ist. Sie berechtigt zur Einfahrt in eine Umweltzone (ZFE).

Das sollten Sie wissen:

  • Umweltzonen gibt es in Paris, Lyon und weiteren Städten – Tendenz steigend.
  • Auch ausländische Fahrzeuge brauchen die Plakette, wenn sie in eine solche Zone fahren.
  • Bestellen Sie sie vorab über die offizielle Stelle (certificat-air.gouv.fr). Sie kommt per Post; vor Ort gibt es keinen schnellen Kauf.

Die Crit’Air-Plakette ersetzt nicht die Maut. Sie brauchen sie nur, wenn Ihre Route durch eine Umweltzone führt. Für die reine Autobahnfahrt ist sie ohne Belang.

Tempolimits und Bußgelder in Frankreich

Auf französischen Autobahnen gilt Tempo 130 – aber nur bei trockener Fahrbahn. Das ist die größte Falle für Reisende: Bei Regen sinken die Limits.

Straßentyp trocken bei Regen
Autobahn (autoroute) 130 km/h 110 km/h
Schnellstraße (2 Fahrbahnen) 110 km/h 100 km/h
Landstraße 80 km/h 80 km/h
Innerorts 50 km/h 50 km/h

Quelle: Sécurité Routière (Stand: Juli 2026).

Weitere Regeln gelten unabhängig vom Wetter:

  • Fahranfänger (erste 3 Jahre) fahren dauerhaft die reduzierten Limits (110/100/80 km/h).
  • Die Promillegrenze liegt bei 0,5 – für Fahranfänger bei 0,2.
  • Wer zu schnell fährt, muss mit einem Bußgeld und Punkteabzug rechnen. Bei starker Überschreitung drohen Fahrverbot und Beschlagnahme des Fahrzeugs.

Übrigens: Ein Bußgeld aus Frankreich erreicht Sie auch in Deutschland. Über die EU-Vollstreckung werden Verkehrsstrafen grenzüberschreitend eingetrieben.

Auf dem Weg weiter: Vignette für die Schweiz

Frankreich selbst verlangt keine Vignette. Sobald Ihre Route aber in die Schweiz weiterführt – etwa Richtung Genf oder weiter nach Italien –, ändert sich das. Die Schweiz ist ein Vignettenland.

Fahren Sie weiter Richtung Süden? Wie die Maut jenseits der Grenze funktioniert, zeigen unsere Guides zur Maut in Italien und zur Maut in Kroatien.

Vor der Abfahrt: die kurze Checkliste

Damit an der Grenze und an der Mautstelle nichts fehlt:

  • Zahlungsmittel bereit: Kreditkarte für die Mautstelle, etwas Bargeld als Reserve.
  • Free-Flow im Blick: Führt die Route über A79, A13/A14 oder die A4-Ausfahrt Boulay? Dann innerhalb von 72 Stunden zahlen.
  • Crit’Air prüfen: nur nötig, wenn Sie in eine Umweltzone fahren – rechtzeitig vorab bestellen.
  • Schweiz-Vignette: nur nötig, wenn die Route in die Schweiz weiterführt.
  • Unterwegs online bleiben: Wie Sie Navigation und Roaming absichern, zeigt der Guide Internet im Ausland. Für die ganze Strecke passt eine Reise-eSIM für Europa.

Häufige Fragen zur Maut in Frankreich

Brauche ich eine Vignette für Frankreich?

Nein. Frankreich hat keine Vignette. Auf den Autobahnen zahlen Sie eine streckenabhängige Maut, entweder an einer Mautstelle oder nachträglich auf Free-Flow-Strecken. Eine Vignette wie in Österreich gibt es nicht.

Wie bezahle ich die Maut in Frankreich?

An der Mautstelle bar, mit Karte oder per Télépéage-Box. Auf schrankenlosen Free-Flow-Strecken zahlen Sie innerhalb von 72 Stunden online oder in einem Partner-Kiosk. Mit Télépéage läuft alles automatisch.

Was kostet die Maut in Frankreich?

Das hängt von Strecke, Fahrzeugklasse und Betreiber ab. Feste Preise gibt es nicht. Rechnen Sie den Betrag vorab mit dem offiziellen Mautrechner (autoroutes.fr) aus – dort geben Sie Start, Ziel und Fahrzeugklasse ein.

Was ist Free-Flow und wie zahle ich dort?

Free-Flow bedeutet Maut ohne Schranke: Kameras lesen Ihr Kennzeichen, Sie fahren durch. Danach haben Sie 72 Stunden Zeit, online oder im Geschäft zu zahlen. Vergessen Sie es, kommt ein Zuschlag von 90 € dazu.

An welcher Spur muss ich an der Mautstelle zahlen?

Meiden Sie die orange „t“-Spur, wenn Sie keine Télépéage-Box haben – sie ist nur für Abonnenten. Nutzen Sie die blaue Spur mit Kartensymbol oder eine bediente Spur für Bargeld.

Wie funktioniert Télépéage?

Sie kleben eine kleine Box hinter die Windschutzscheibe. An der Mautstelle öffnet die Schranke automatisch, abgerechnet wird monatlich per Bankeinzug. Für eine einzelne Urlaubsfahrt lohnt sich das selten.

Zählt mein Wohnmobil als Pkw?

Nur bis 2 m Höhe. Ein höheres Wohnmobil fällt in Klasse 2 und zahlt mehr als ein Pkw. Der Mautrechner berücksichtigt die Klasse, wenn Sie sie richtig auswählen.

Brauche ich für Frankreich eine Crit’Air-Plakette?

Nur, wenn Ihre Route durch eine Umweltzone (ZFE) führt, etwa in Paris oder Lyon. Die Plakette bestellen Sie vorab über die offizielle Stelle; sie kommt per Post. Mit der Maut hat sie nichts zu tun.

Das Wichtigste in einem Satz

Frankreich hat keine Vignette, sondern eine streckenabhängige Maut – gezahlt an der Schranke oder im Free-Flow innerhalb von 72 Stunden. Drei Dinge klären Sie am besten vor der Abfahrt:

  • die Kosten mit dem offiziellen Mautrechner ausrechnen,
  • die Free-Flow-Abschnitte Ihrer Route notieren,
  • die Vignette für die Schweiz besorgen, falls die Fahrt dorthin weitergeht.

Weitere Länder-Guides finden Sie in unserer Übersicht der Maut-Guides.

Quellen

Ramis Kalkan
Ramis Kalkan

Ramis Kalkan leads growth at Vignetim. He writes about everything that makes European road trips smoother, from digital vignettes to eSIMs. Based in Ankara, usually mid-way through planning his next drive.